Der Kapitän der MS Heyse verklagt Deutschland

Fachkräftemangel im Mittelstand zwingt zu drastischen Maßnahmen – Mir reichts!

Wir müssen jetzt für Klarheit sorgen. Liebe Heyse-Kunden, liebe Leserinnen und Leser, liebe Fans – In den letzten Tagen verzweifeln mein 1. Offizier und ich immer öfters. Wir suchen händeringend Fachkräfte und müssen uns immer wieder ärgern. Was ist los – was wird kommen – wie sollen wir reagieren? Lesen Sie unseren Artikel, der in Kooperation mit Tom Köhler von der Agentur Abendfarben aus Hamburg entstand.

Der Kapitän der MS Heyse hat einen dicken Hals. Da fliegt einem doch der Zacken aus der Krone. Weil Mitarbeiter eine schlechte Arbeit leisten, werde ich gezwungen, ein gutes (!) Arbeitszeugnis auszustellen.

Respekt und Anstand

Ein ehemaliger Mitarbeiter stellte sich über den Ersten Offizier der MS Heyse. Hierarchien sind ihm offensichtlich unbekannt. Das kann der Kapitän nicht durchgehen lassen. Alle Mann antreten zum Kielholen! Geteert und gefedert gehört der Ungehorsam. Was war passiert?

Der Mitarbeiter wurde wegen schlechter Arbeitsleistung und despektierlichem Verhalten von der MS Heyse verwiesen. Der – gar nicht schüchtern – eilte zum Arbeitsgericht, um ein ordentliches Zeugnis zu erhalten. Das steht ihm sicherlich zu. Doch kann der Käptn nicht eine 2 vergeben, wenn auf dem Zeugnis eine 4 steht. Der Richter verdonnerte den Arbeitgeber dazu. Im Falle einer Weigerung gibt es postwendend eine Klage.

Bildung und Defizit

Wenn die Strukturen des Bildungssystems der Bundesrepublik schlechte Arbeitskräfte hervorbringen, gibt es einen Run auf die guten Kräfte. Wenn die Politik ganz entspannt die Demografie verschläft, haben Mittelständler, wie die MS Heyse, ein großes Problem. Kunden klagen, dass der Kapitän und seine Crew nicht mehr so gewohnt flink agieren. Aufträge guter Kunden müssen warten, weil es schlicht an Fachkräften mangelt. Wenn der Kapitän verklagt wird, hat er nicht übel Lust, auch jemanden zu verklagen. Am Besten den Verursacher der Misere – also Vater Staat. Denn der ist verpflichtet, aus den reichlich sprudelnden Steuerquellen eine entsprechende Infrastruktur bereitzustellen. Dazu gehören auf topqualifizierte Fachkräfte, die nun händeringend gesucht werden.

Anspruch und Realität

Deutschland, das Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Erfinder. Und heute? Pusteblume! Deutschland ist das Land der schlechten Schüler, der gruseligen Zeugnisse. Zukunft ungewiss. Die Studien wie Pisa und Co. zeigen den drastischen Verfall der Bildung. Bewerber mit unmöglichen Bewerbungsschreiben voller Fehler und Flecke sind keine Ausnahme. Sicherlich will ich nicht alle Schüler und Azubis über einen Kamm scheren, aber glauben Sie mir: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Jeden Tag flattern völlig unbrauchbare Bewerbungen rein. Da hilft nur eins: Den Verursacher haftbar machen. Denn ich werde auch haftbar gemacht. Von meinem Kunden, von den Behörden oder Arbeitnehmern.

Geht es Ihnen auch so?

Haben Sie auch schlechte Erfahrungen gemacht? Kennen Sie diese Probleme mit Auszubildenden und Bewerbern? Dann schreiben Sie mir. Ich bin gespannt, zu lesen, wie es in anderen Firmen in Deutschland aussieht. Ich freue mich über Ihre Antworten!

Ihr

Matthias Schultze, Kapitän der MS Heyse

PS: Dürfen es ein paar Zahlen und Hinweise sein? Bitte:

Der DIHK warnt vor steigender Nachfrage an Fachkräften (2010)

Mittelstand und Fachkräftemangel

Staatshaftung – kann Deutschland verklagt werden?

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Autor: Matthias Schultze »

Unternehmer. Malermeister. Blogger. Speaker.

Ein dynamischer Macher und Motivator mit Visionen für eine farbige Zukunft im Handwerk. Der dynamische Unternehmer gilt als Pionier für SocialMedia- und Internetmarketing im Handwerk. Um erfolgreicher zu sein und den Vertrieb stärker zu zünden, beschäftigt er sich bereits seit 1997 intensiv mit den Themen Internet im Handwerk, Social Media, digitalen Netzwerken und der digitalen Revolution. Das Realisieren von Alleinstellungsmerkmalen war einer der Auslöser zum Start vieler neuer Impulse.

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13 Kommentare zu
»Der Kapitän der MS Heyse verklagt Deutschland«


  1. […] dachte ich, also doch eine Reaktion zum Thema. Am 19.06.2012 hatte ich den Artikel “Der Kapitän der MS Heyse verklagt Deutschland Fachkräftemangel im Mittelstand zwingt zu drastischen Maßnahmen – Mir reichts!” […]

  2. Ich sehe das ganz genauso. Was mir in letzter Zeit immer mehr Sorgen macht, sind die Berichte aus unterschiedlichen Personalabteilungen, dass immer mehr Bewerber Services wie deinebewerbung.de/ nutzen, und somit viel Zeit bei Einstellungsgesprächen verloren geht, mit Leuten, die in vielen Fällen überhaupt nicht qualifiziert sind.

  3. Wir suchten händeringend nach einem Mitarbeiter, die Agentur für Arbeit wurde eingeschaltet. Die ersten Bewerbungen trudelten nach zwei Wochen bei uns ein, die letzte nach 6 Wochen. Es gab insgesamt 10 Vorschläge von der Agentur, davon bewarben sich 5. Die Bewerbungen versehen mit Rechtschreibfehlern, Eselsohren, Fettflecken. Vorstellungsgespräche wurden kurzfristig mit hanebüchenen Ausreden abgesagt. Die Zeugnisse einwandfrei, wir griffen dann doch zum Telefonhörer um bei den ehemaligen Arbeitgebern nachzufragen, wir horchten auf, dass was uns dort erzählt wurde stimmte mit dem Arbeitszeugnis überhaupt nicht überein. Wir haben das Vorhaben „neuer Mitarbeiter“ ad acta gelegt, da wir niemanden fanden der auch nur ansatzweise zu uns gepasst hätte.
    Mit den Auszubildenden ist es ähnlich, der jetzige Azubi ist topp und wir sind stolz ihn ausbilden zu dürfen. Die vorherigen waren dagegen eine Katastrophe und wir überlegten, ob wir weiter ausbilden möchten. Wir könnten über das was wir mit Fachkräften und Auszubildenden erlebt haben, locker ein Buch schreiben.

  4. wir sind nun bereits seit über einem Jahr auf der suche nach Qualifizierten Fachkräften. Das was sich bei uns bewirbt ( was tatsächlich manchmal vorkommt) hat nicht im entferntesten etwas mit einer Fachkraft zu tun. Ich denke das bei den Kollegen das gleiche Bild herrscht. Wie kann es sein das Junge Menschen mit einem Gesellenbrief nicht einmal das A B C Ihres Berufes beherrschen ?
    Ich hege bereits seit langer Zeit den Verdacht das es Politisch so gewollt ist das Ausbildungsniveau an die Dummheit der Bewerber anzupassen.
    Das kann es aber nicht sein.
    Man kann den Fachkräftemangel nicht dadurch kompensieren, in dem man das Ausbildungsniveau so lange herabsetzt, bis auch der letzte verhaltensgestörte Ziegenhirte die Prüfung zum ” Facharbeiter” irgendwie schafft. Das Handwerk gehört endlich wieder aufgewertet. Dann gibt es auch einen Anreiz für intelligentere Kreise einen Lehrberuf zu ergreifen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Avantaggiato

  5. Lieber Matthias Schultze, du hast so schön vorgelegt mit deinem Blogbeitrag und dass du dich direkt an Herrn McAllister gewendet hast.
    Das Thema Nachwuchs/Fachkräftemangel muss wirklich weiter nach oben in den Prioritätenlisten der Politiker. Vor allem müssen Taten, nicht Worte folgen. Schön, dass jemand Initiative ergreift!
    Was haltet ihr davon, wenn wir uns zusammenschließen und um einen Termin beim bildungspolitischen Sprecher der Regierung bitten?

    Oder sollen wir direkt an die Parteien gehen?
    Irgendjemand wird reagieren, da bin ich sicher!

    Antwort: Lieber Jens, das ist doch ein guter Impuls! Hierzu werde ich einen Artikel verfassen und wir schauen, wie die Reaktionen darauf sind. Liebe Grüße, der Kapitän

  6. Ich bin Elektromeister (Handwerksmeister) und arbeite bei der Stadtentwasserung Hannover als Leitwärter

    Antwort: Danke für Ihre Antwort. Liebe Grüsse, der Kapitän 🙂

  7. kann ich ich nicht bestätigen alle Azubis die bei uns arbeiten sind gut motiviert lernwillig und gut vogebildet. Es ist wohl eher so das das Handwerk nicht mehr attraktiv für gute Schüler ist, da muss ein Umdenken stattfinden; nachdem jahrelang die Rosinen gepickt wurden ist nun ein werben um die besten Köpfe nötig.

    Antwort: Hallo Jens. Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Das Handwerk ist so schmackhaft wie noch nie. Rosinen haben wir sicherlich auch, aber der Mangel allein daran ist nicht das Problem. In unseren Profilen für die Auszubildende m/w geben wir ja schon klar an, was die Basics sind. Wir decken mit unserem Artikel klar auf, wo die Hardfacts der Probleme liegen. Aus welcher Branche kommen Sie?

  8. Lieber Matthias,
    ich stehe als Nebenkläger gern mit an deiner Kapitänsseite.
    Soziale Rechtsprechung und Schutz von Schwächeren ist sicher eine der Säule unser Gesellschaft, aber die soziale Hängematte die sich in den von Wolfgang Köster so treffend beschriebenen Tatsachen und vielen anderen Entscheidungen wiederspiegelt ist nicht zeitgemäß. Wo ist die soziale MARKT-Wirtschaft geblieben, die auch die Wirtschaft nicht vergisst und damit die Grundlage für unser doch so erfolgreiches Gesellschaftsmodell ist.
    Mit einem ähnlichen Vorfall, wie von Dir beschrieben, saß ich vor knapp einem Jahr vor einem Arbeitsrichter. Dieser sagte mir wörtlich “auch wenn Ihr ehemaliger Mitarbeiter nicht gut geleistet hat, so müssen Sie halt im Zeugnis die Unwahrheit schreiben…….” DAS ist die Realität und lässt das Unternehmer sein sehr schwer werden. Wer soll´s ändern, wenn nicht wir mit unserem täglichen respektvollem aber auch leistungsgerechten Handeln.
    Liebe sonnige Grüße aus Bargteheide

  9. Hallo lieber Kapitän Matthias,

    Du hast vollkommen RECHT, das Land der Dichter und Denker sind wir leider schon lange nicht mehr. Wir sind eher das Land der unter Bildzeitungs-Niveau-Gesellschaft.
    Wir müssen Umstrukturierungen in Schulsystemen machen, denn die Kinder und Jugendlichen sind nicht schlechter als die von früher. Doch werden Sie mit falschen Schulsystemen zu Aussenseitern und Unmotivierten gemacht.
    Ich arbeite mit freien Schulen schon zusammen, um die richtige Talentförderung und Bildungsoffensive zu starten. Bei öffentlichen Schulen treffe ich da leider nur auf taube Ohren ;-(

    Wir sollten eine Kapitän-Strategie entwickeln – wenn diese in Hannover Anklang findet, komme ich gerne um die Sache mit vor ran zu treiben.

    Ich wünsche Dir eine neue, motivierte und kompetente Maler-Heyse-Crew 😉

    Mit den besten mentalen Erfolgsgrüssen,
    Swen-William 😉 If you can dream it, you can do it!

  10. Ich frage mich schon lange was die Politiker mit dem Wissen der Fachleute, mit denen sie sich umgeben, eigentlich anstellen. Entweder sind die Fachleute nicht geeignet (Lobbyisten oder ganz allgemeine Dummschwätzer), oder die Politiker hören nicht zu. Da läuft etwas ganz grundlegend falsch.Beispiele für fehlgeleitete Gesetzgebung gibt es viele, das Ausstellen von Arbeitszeugnissen in der derzeitigen Form ist nur ein Beispiel. Weitere gefällig? Gut, ein paar Beispiele.

    Da wären das Mietrecht das man eigentlich Wohnungsvermietungsverhinderungsgesetz nennen müsste. Was eigentlich dem Mieterschutz dienen soll führt dazu das viele Besitzer ihre Wohnungen nicht mehr vermieten.

    Überzogene Kündigungsschutzklauseln führen dazu das immer mehr Firmen keine Festanstellungen mehr bieten sondern nur noch zeitlich befristete Jobs.

    Ich bin schon mal gespannt auf das diesjährige Sommerloch, der Zeitraum in dem sich traditionell die dritte Liga der Politik austoben darf. Grüne und SPD haben ja schon mal mit einem weltfremden Vorschlag (Tempo 30 generell innerorts) die Deckung verlassen.

  11. Leider genau das Selbe hier…
    Gerade im Bezug auf unser Schulsystem ist dringend Nachholbedarf. Ich bin seit jahren im Prüfungsausschuss unserer Innung tätig und welchen Wissensstand die Azubis heute haben ist erschreckend. Grundkenntnisse Deutsch und Mathe sind da oft Fehlanzeige. Selbst das Lesen von Texten kann da zur Schwierigkeit werden.
    An den Schulen sind die Schuler entweder unter- oder überfordert, das führt zu Demotivation und Resignation. Vielen Lehrern ist das vollkommen egal, denn für das Handwerk ” reicht das ja noch “. Die Zeiten sind lange vorbei. Die Anforderungen im Handwerk sind heute so hoch wie kaum in einem anderen Berufszweig.
    Wir können usn solche Azubis/ Mitarbeiter nicht leisten, bei uns zählt Qualität. Deshalb arbeitet bei uns die Chefetage oft mit auf der Baustelle, weil wir sonst unseren Qualitätstandard garnicht halten könnten.

  12. Ja, dieser Missstand kommt mir bekannt vor.
    Es ist ein sehr demotivierendes Thema, aber leider wird man immer wieder damit konfrontiert.
    Bildung wird ausgespart, wenn es ans Geldverteilen geht – und dieses Fehlverhalten wird uns Jahrzehnte beschäftigen, das lässt sich nicht einfach ausbügeln mit einem neuen Gesetz!
    Wenn dann noch schlechte Arbeitsmoral und -leistung mit guten Zeugnissen honoriert werden müssen, dann ist die Freude am Arbeitgeber-Dasein in Gefahr.

    Was wir gemacht haben, um Auszubildende zu bekommen? Wir waren auf Messen, haben mit Anzeigen und Magnettafeln auf unseren Fahrzeugen geworben. Und um diese Azubis zu motivieren und im Unternehmen zu halten, fließt die Abschlussnote in die Vergütung ein. In Form einer Einmalprämie und einer Zulage zum tariflichen Stundenlohn.

    Wir machen sogar selbst Unterricht und haben eine Lehrlingswerkstatt errichtet, in der auch im Winter und bei schlechtem Wetter geübt werden kann.
    Und das alles nur, weil an vielen Stellen im Bildungssystem versagt wird. Das kostet uns richtig viel Geld, aber ohne Nachwuchs dazustehen ist denke ich nicht die bessere Alternative.

    Nachdenkliche Grüße
    Jens

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